Unsere September-Tour stand ganz im Zeichen von Übergang, Bildung, Symbolik und neuen Perspektiven – und begann gleich mit einer dieser Geschichten, die man so schnell nicht wieder vergisst.
Von der Planckstraße ging es zunächst zur benachbarten Villa Reitzenstein. Anselm erzählte uns von Baron von Reitzenstein und seiner Frau Helene, der Tochter eines der damals reichsten Stuttgarter Verleger. Die zwischen 1910 und 1913 erbaute Villa war ein beeindruckendes Zuhause – allerdings mit enormen Unterhaltskosten. Nachdem der Baron am Spieltisch verstorben war, blieb seiner Frau neben der Villa auch deren kostspieliger Unterhalt. Schließlich verkaufte sie das Anwesen 1922 an die damalige Landesregierung – und aus dem privaten Wohnsitz wurde später der heutige Regierungssitz Baden-Württembergs.
Von der Aussichtsplattform eröffnete sich anschließend ein ganz anderer Blick auf Stuttgart: auf das dichte Häusermeer im Kessel, aber ebenso auf den erstaunlich grünen Gürtel rund um die Stadt. Ein schöner Moment, um das Thema Perspektivwechsel nicht nur zu hören, sondern unmittelbar zu erleben.
Weiter führte uns die Tour durch das Bohnenviertel und entlang der Stuttgarter Kulturmeile mit Staatsgalerie, Musikhochschule, Haus der Geschichte, Landesbibliothek und Oper. Auch an vermeintlich vertrauten Orten gab es wieder überraschende Details zu entdecken – vom württembergischen Wappen am Landtag über die Messingkuppel des Hauses der Wirtschaft bis zum beeindruckenden Zifferblatt der Stiftskirche.
Auch der Stuttgarter Osten hielt spannende Geschichten bereit, bevor es zum Abschluss hinauf auf den Plettenberg ging.
Dort änderte sich noch einmal die Perspektive: Vor uns lagen die Weinberge und das Neckartal mit Blick auf die MHP Arena, Untertürkheim, das Daimler-Gelände und die Grabkapelle auf dem Württemberg.
Ein wunderbarer Abschluss für eine Tour, die einmal mehr gezeigt hat, dass manchmal schon ein anderer Standort – oder eine überraschende Geschichte – genügt, um eine vermeintlich bekannte Stadt mit ganz neuen Augen zu sehen.